Robert Enke: Er hielt alles, außer sich selbst.

Shownotes

Robert Enke: Er hielt alles. Außer sich selbst.

Am 10. November 2009 endet das Leben von Robert Enke – Nationaltorhüter, Leistungsträger, scheinbar stabil. Und doch innerlich längst zerbrochen.

In dieser Folge geht es nicht nur um seine Geschichte. Es geht um ein Muster, das viel häufiger ist, als wir glauben.

Sie erfahren:

  • Warum die Torwart-Position mehr über die Psyche aussagt, als man denkt
  • Wie sich ein Lebensthema unbewusst durch Beruf und Verhalten zieht
  • Weshalb gerade leistungsstarke Menschen oft am schwersten um Hilfe bitten
  • Welche Rolle Verlust, Schuld und Angst im Hintergrund spielen
  • Warum „Funktionieren“ eine gefährliche Strategie sein kann

Diese Episode ist keine sportliche Rückschau. Sie ist eine psychologische Analyse – und eine Einladung zur Selbstreflexion.

Drei Fragen aus der Folge:

  1. Wo in Ihrem Leben spielen Sie „Torwart“ – allein, kontrollierend, fehlervermeidend?
  2. Wem könnten Sie sagen, wie es Ihnen wirklich geht – und warum tun Sie es nicht?
  3. Was glauben Sie, würde passieren, wenn Sie es doch täten?

**Es geht um ein zentrales Lebensthema: „Ich darf nicht schwach sein.“ ** Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo Sie diese Überzeugung hinterfragen.

Die ganze Folge können Sie hier nachlesen …

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Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich Willkommen zu einem weiteren Podcast.

00:00:03: Mein Name ist Roland Kupp-Wichtmann, ich bin Diplompsychologe und Onlinecoach mit über vierzig Jahren Erfahrung.

00:00:11: Das Thema heute Robert Enke Erhielt alles außer sich selbst.

00:00:21: Am Abend des zehnten November zwei tausend neun steht ein Mann an einem Bahnübergang bei Hannover.

00:00:27: Es ist kurz nach halb sieben es ist dunkel Kalt.

00:00:33: Der Mann ist zwar ein dreißig Jahre alt, er ist Nationaltourhüter.

00:00:37: Er hat am Wochenende noch gespielt vor Zehntausenden Zuschauern und er hat gehalten was zu halten war.

00:00:46: Und jetzt steht der hier und wartet auf den Regionalexpress.

00:00:52: In den Tagen danach wird ein ganzes Land fassungslos sein.

00:00:57: Mitspieler werden weinen, der DFB-Präsident wird bei der Trauerfeier in der AWD Arena vor dreißigtausend Menschen sprechen.

00:01:06: Die Frage, die alle stellen wird immer dieselbe sein.

00:01:11: Warum?

00:01:13: Und die Antwort, die niemand hören will, lautet weil er es niemandem sagen konnte.

00:01:22: Robert Enke allein vor dem Tor in einer anderen Farbe.

00:01:29: Es gibt kaum eine einsammere Position im Sport als die des Torwarts.

00:01:35: Der Torwart steht dahinten Allein erträgt er eine andere Farbe als alle anderen.

00:01:41: Er darf nicht mitspielen wie die anderen, er darf nur reagieren und er darf nicht fallen!

00:01:49: Wenn ein Stürmer den Ball verstolpert, vergisst man das nach zwei Minuten.

00:01:54: Wenn ein Turm hat einem Ball durchlässt, steht es in der Zeitung.

00:01:59: Robert Enke hat sich diesen Platz nicht zufällig ausgesucht... Natürlich wählen Kinder ihre Position nicht bewusst nach psychologischen Kriterien.

00:02:11: Aber es ist kein Zufall, wer sich wohl fühlt und es ist keinen Zufalls, dass ein Mensch der später an der Unfähigkeit zerbrechen wird um Hilfe zu bitten, sich genau die Position aussucht in der man alleine steht.

00:02:28: In der man alles unter Kontrolle haben muss.

00:02:34: Alles entscheidet.

00:02:37: In meiner Coaching-Praxis erlebe ich dieses Muster vor allem bei Männern, die Position, die sie im Leben einnehmen spielt oft genau das innere Thema wieder, dass sie am meisten belastet – der Managern, wer alles kontrollieren muss, der Arzt, der alle rettet nur sich selbst nicht, der Torwart, der nicht fallen darf.

00:03:03: mit der Wende verschwand über Nacht seine Wille.

00:03:08: Robert Enke wurde mal seit sieben Siebzig in Jena in der DDR geboren.

00:03:13: Sein Vater Dirk war Psychotherapeut, eine Tatsache die im Rückblick fast unerträglich ironisch wirkt.

00:03:22: Die Wende kam als Robert zwölf war.

00:03:26: Von einem Tag auf den anderen galten andere Regeln Andere Werte, andere Maßstäme.

00:03:34: Für ein Kind in diesem Alter bedeutet das, die Welt die du kanntest existiert nicht mehr Orientiere dich.

00:03:42: Schnell, neu.

00:03:45: Enke tat was viele Kinder in solchen Situationen tun?

00:03:49: Er funktionierte!

00:03:52: Er war talentiert, diszipliniert ehrgeizig.

00:03:55: Mit siebzehn spielte er bei Carl Zeiss Jena Dann Menschen Glebbach dann Benfica Lisabon dann Barcelona und dann der Absturz In Barcelona ließ ihn Trainer Luis Pranil Gaal kaum spielen.

00:04:15: Enke saß auf der Bank.

00:04:17: Für einen Menschen, dessen selbst Wert an Leistung gebunden ist, gibt es kaum Schlimmeres als Nicht-Gebaus zu werden.

00:04:27: Es folgten Stationen in Istanbul auf Tenerifah schließlich Hannover'九zig und irgendwann zwischen all den Flughäfen und Trainingsplätzen und Kabinenansprachen begann eine Dunkelheit die nicht mehr wegging.

00:04:46: Robert Enkel litt an Depressionen, schwerer Depression.

00:04:51: Und er verbarg sie vor seinen Mitspielern, vor den Medien, vor fast allen.

00:05:00: Sein Psychiater wusste es – seine Frau Theresa wusste ist und ein sehr kleiner Kreis von Vertrauten.

00:05:08: Aber die Welt da draußen, die Welt der Fußballtribüne, der Pressekonferenzen, durfte es nicht wissen.

00:05:21: Warum nicht?

00:05:22: Hier kommt das Lebensthema ins Spiel.

00:05:26: Es gibt einen Satz den depressive Menschen oft denken, aber selten aussprechen Wenn die anderen wüssten wie es wirklich in mir aussieht wäre alles vorbei.

00:05:41: Das ist keine rationaler Einschätzung und gleichzeitig ist es gerade im Profifußball nicht einmal ganz falsch.

00:05:51: Depression ist im Mannersport noch immer ein Tabu.

00:05:55: Ein Torwart, der zugibt, dass er morgens nicht aufstehen kann, riskiert seinen Stammplatz, sein Vertrag und seine Karriere.

00:06:05: Aber bei Enke ging es um mehr als die Karrieren – das Kind, das er nicht halten konnte.

00:06:17: Am siebzehnten September zwei tausendsechs starb Lava Robert und Theresa ist Tochter.

00:06:23: Sie war zwei Jahre alt, sie hatte einen angeborenen Herzwähler.

00:06:29: Stellen Sie sich das vor!

00:06:30: Sie sind neunundzwanzig, sie halten Bälle die mit hundert Stunden Kilometer auf sie zufliegen – sie halten alles.

00:06:38: Aber Ihr Kind können sie nicht halten.

00:06:42: Lara starb und etwas in Robert Enke starb mit ihr?

00:06:48: Nicht sofort sichtbar… Nicht für die Kameras, aber tief innen setzte sich eine Überzeugung fest, die in der Depression ein perfektes Zuhause fand.

00:07:01: Ich konnte sie nicht retten – ich habe versagt!

00:07:07: In meiner Arbeit begegnete ich dieser speziellen Form der Schuld regelmäßig.

00:07:14: Eltern, die einen Kind verloren haben, fragen sich fast immer, hätte ich etwas anders machen können?

00:07:22: Die Antwort ist fast immer … nein Aber das Gefühl fragt mich nach Antworten.

00:07:29: Es frisst sich fest, wenn Liebe zur Falle wird.

00:07:39: In den letzten Jahren hat Robert und Theresa ein Mädchen Laila einen neuen Anfang, eine neue Hoffnung und gleichzeitig ein neuer Grund für die Angst.

00:07:52: Denn Enke fürchtete, dass man ihnen Lailaa wegnehmen würde, wenn seine Depression bekannt Ein psychische kranger Vater, würde das Jugendamt nicht sofort eingreifen?

00:08:05: Würde man ihm das Kind

00:08:06: entziehen?".

00:08:09: Diese Angst war möglicherweise übertrieben.

00:08:12: Aber für ihn war sie real und sie verschloss die letzte Tür durch die Hilfe hätte kommen können.

00:08:23: Hier zeigt sich das Lebensthema in seiner ganzen tragischen Kraft – ich darf nicht fallen!

00:08:30: Nicht weil ich stark sein will, sondern weil ich die, die ich liebe mich brauche und weil ich sie verliere wenn ich zugebe dass ich schwach bin.

00:08:44: Das ist die perfekte Falle.

00:08:47: der Mensch der Hilfe am dringendsten braucht kann sie am wenigsten annehmen weil er glaubt das genau das Annehmen von Hilfe ihm das letzte kosten wird.

00:08:57: was ihm geblieben ist funktionieren lächeln zerbrechen.

00:09:08: Die Welt sah einen ruhigen konzentrierten Torhöder, ein der nach außen funktionierte, der Länderspiele bestritt, der am Wochenende vor der Kurve stand die Handschuhe anzog und lieferte – die Welt sah nicht das dieser Mann Medikamente nahm, dass er in einer psychiatrischen Klinik war im Geheimen.

00:09:33: Das er Tage hatte, an denen er sich im Badezimmer einschloss und nicht mehr aufstehen wollte.

00:09:41: Und genau das ist das Muster, was mich als Coach am meisten beschäftigt – die perfekte Fassade!

00:09:50: Die Menschen bei denen niemand etwas ahnt, die morgens aufstehend funktionieren, lächeln, performen... ...und abends in ein schwarzes Loch fallen.

00:10:08: Sie sitzen auch in meinen Coachings.

00:10:10: Männer und Frauen, die sagen, es geht mir gut?

00:10:14: Und dann, nach zwanzig Minuten wenn die Kontrolle einen Moment lang nachlässt kommt ein Satz wie Ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe.

00:10:27: Robert Enke hat diesen Satz nie öffentlich gesagt.

00:10:31: Er hat stattdessen etwas getan Das leiser war und endgültiger.

00:10:41: Drei Fragen, die sie sich stellen können Robert Enkes Tod war kein Einzelfall aber Er war ein Wendepunkt.

00:10:53: Theresa Engel gründete danach die Robert-Engels-Stiftung, die sich für die Intabuisierung von Depressionen einsetzt – besonders im Leistungssport.

00:11:04: Der deutsche Fußballbund begann hinzuschauen.

00:11:09: Vereine stellten Sportpsychologen ein.

00:11:12: Es wurde leichter über psychische Erkrankungen zu sprechen.

00:11:19: Aber reicht das?

00:11:21: Die ehrliche Antwort ist Nein, noch immer sitzen Menschen in Führungspositionen auf Sportplätzen.

00:11:29: In Familien die lächeln und funktionieren und innerlich zerbrechen.

00:11:35: Noch immer gilt in vielen Köpfen – wer Hilfe braucht ist schwach!

00:11:40: Und wer schwach ist verliert.

00:11:46: Aber der Enkels Lebensthema war kein besonderes Phänomen.

00:11:50: Es ist eines der häufigsten, die mir in meiner Arbeit begegnen.

00:11:54: Und es hat immer dieselbe Struktur.

00:11:58: Ich habe früh gelernt, dass ich nur dann sicher bin wenn ich funktioniere.

00:12:04: Dass sich nur dann geliebt werde wenn ich keine Last bin.

00:12:09: Dass ich nur dazu gehöre wenn ich stark bin.

00:12:17: und deshalb möchte ich Ihnen drei Fragen stellen nicht als Provokation sondern als Einladung.

00:12:25: Erstens wo in Ihrem Leben spielen Sie den Torrad allein vor dem Tor in einer anderen Farbe als alle anderen, mit dem Gefühl keinen Fehler machen zu dürfen.

00:12:42: Zweitens – wem könnten Sie sagen wie es Ihnen wirklich geht?

00:12:49: Und warum tun sie es nicht?

00:12:55: die dritte Frage was genau glauben Sie würde passieren wenn Sie es täten?

00:13:06: Die meisten Menschen denen nicht diese Dritte Fragestelle antworten nach langem Nachdenken wahrscheinlich Nichts Schlimmes.

00:13:16: Und dann frage ich, warum tun sie es da nicht?

00:13:22: Und dann wird das still.

00:13:26: In dieser Stille beginnt die Arbeit.

00:13:33: Hinter jedem Menschen sollte jemand stehen.

00:13:38: Robert Enke hat in seinem kurzen Leben vieles gehalten – Bälle Erwartungen Eine Familie Ein Geheimnis.

00:13:48: Das einzige was er nicht halten konnte war sich selbst Und vielleicht liegt darin die wichtigste Lektion seines Lebens.

00:14:00: Das Stärke nicht bedeutet, alles allein auszuhalten Sondern das echte Stärke dort beginnt wo wir aufhören den Torwart zu spielen Wo wir die Handschuhe ausziehen und jemanden bitten hinter uns zu stehen Wenn sie selbst in einer Krise sind oder Suizid Gedanken haben.

00:14:28: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter Null Acht Hundert, Einhundet Elf, Null Einhundert Elf.

00:14:37: Kostenfrei und anonym.

00:14:42: Haben Sie auch ein Problem das sie bisher nicht lösen konnten?

00:14:46: Dann buchen Sie auch einen drei Stunden Coaching.

00:14:50: Wir finden die Lösung dort wo Sie noch nie gesucht haben.

00:14:56: Sind Sie Coach oder arbeiten Sie intensiv mit Menschen und wollen lernen auch so zu coaching.

00:15:03: Ich biete eine Fortbildung an alle Infos dazu auf meinem Blog.

00:15:10: Wem können Sie sich anvertrauen, wenn sie schrach sind?

00:15:16: Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit bis zum nächsten Mal!

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