„Ich bin kein Typ für Coaching.“

Shownotes

Diesen Satz höre ich erstaunlich oft – besonders von Männern, die gewohnt sind, ihre Probleme selbst zu lösen. Die Verantwortung übernehmen, funktionieren, entscheiden und für andere da sind.

Doch was steckt hinter dem Widerstand gegen Hilfe?

In dieser Folge geht es um Stefan, 52, erfolgreicher selbstständiger Architekt. Eigentlich läuft sein Leben gut: ein erfolgreiches Büro, gute Mitarbeiter, volle Auftragsbücher. Trotzdem schläft er schlecht, sitzt manchmal vor seinem Schreibtisch und fragt sich: „Wozu das alles?“

Und gleichzeitig sträubt sich in ihm alles gegen die Vorstellung, Hilfe zu brauchen.

Wir schauen uns an, warum dieser Widerstand nicht das Problem sein muss, sondern bereits eine wichtige Spur sein kann.

In dieser Folge geht es darum:

  • warum hinter „Ich brauche keine Hilfe“ oft mehr steckt als bloße Sturheit,
  • was psychologische Reaktanz mit unserem Bedürfnis nach Selbstbestimmung zu tun hat,
  • warum gerade erfolgreiche Männer sich ungern Unterstützung holen,
  • warum sich dabei der Blick auf die eigene Kindheit lohnen kann.

Stefans Geschichte führt dabei zu einer entscheidenden Frage …

Die ganze Folge können Sie hier nachlesen …

Haben Sie auch ein persönliches Problem, das Sie bisher nicht lösen konnten?

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Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen zu einem weiteren Podcast.

00:00:03: Mein Name ist Roland Kopfwichtmann, ich bin Diplompsychologe und Online-Coach mit über vierzig Jahren Erfahrung.

00:00:11: Das Thema heute Warum Männer die keine Hilfe brauchen mich trotzdem anrufen?

00:00:20: Über den Widerstand der eigentlich ein Hilferof ist Und über ein Lebensthema das sehr früh beginnt.

00:00:30: Er rief an einem Donnerstagvormittag an.

00:00:33: Seine Stimme klang sachlich, fast ein wenig ungeduldig als hätte er diesen Anruf schon dreimal aufgeschoben und war nun froh ihn hinter sich zu bringen.

00:00:44: Ich will gleich sagen ich bin kein Typ für Coaching!

00:00:47: Ich bin eigentlich der Meinung dass man seine Probleme selbst lösen sollte.

00:00:52: aber meine Frau meint ich soll mich mal mit jemand unterhalten.

00:00:56: also was kostet das bei ihnen?

00:01:01: Ich kannte diesen Einstieg, ich höre ihn öfter als man denken würde.

00:01:05: Der Mann, nennen wir ihn Stefan, Zweiundfünfzig, selbstständige Architekt, buchte noch einen Termin in der nächsten Woche drei Stunden und er erschien pünktlich.

00:01:20: Was hinter dem Widerstand steckt?

00:01:24: Wer sagt »Ich brauche keine Hilfe« meint damit fast nie das Gegenteil.

00:01:30: Er meint etwas anderes etwas, das er selbst oft noch nicht in Worte fassen kann.

00:01:37: Manchmal bedeutet es ich habe Angst was sich herausfinden könnte.

00:01:42: Manchmal – Ich bin es nicht gewohnt mich jemandem an zu vertrauen, manchmal – Ich glaube nicht dass ich wirklich etwas ändern kann und manch mal bedeutet es schlicht .

00:01:56: Ich weiß nicht einmal genau was mich beschäftigt.

00:02:02: Der Widerstand ist kein Hindernis auf dem Weg zur Veränderung.

00:02:07: Er ist oft der erste Schritt.

00:02:10: Wer ihn überspringt oder wegzureden versucht, verpasst etwas Wesentliches.

00:02:19: Reaktanz – Der Trotz, der schützt!

00:02:24: Der amerikanische Psychologe Jack Bream beschrieb in den neunzigsteigern Jahren ein Phänomen das er Reaktanzenandte.

00:02:33: Wenn Menschen das Gefühl haben ihre Freiheit werde eingeschränkt durch Erwartungen, Ratschläge oder Druck reagieren sie mit innerem Widerstand.

00:02:44: Nicht aus Sturheit, sondern aus einem tiefen Bedürfnis nach Selbstbestimmung.

00:02:51: Wer sagt ich brauche das nicht behaupt damit auch Ich entscheide.

00:02:56: selbst Im Coaching ist Reaktanz kein Störfaktor.

00:03:02: Sie zeigt dass jemand noch lebendig ist Dass er sich nie einfacher gibt.

00:03:08: Das ist eine gute Ausgangslage Stefan und sein Problem, das keines seien durfte.

00:03:19: Stefan saß mir im Online-Couching gegenüber die Arme vor der Brust verschränkt nicht feindselig eher so als wollte er sich selbst zusammenhalten.

00:03:32: ich fragte was hat sie bewogen trotz allem herzukommen?

00:03:39: Ich schlafe seit Monaten schlecht.

00:03:41: ich komme morgens ins Büro und denke wozu das alles?

00:03:45: Ich habe ein erfolgreiches Büro, gute Mitarbeiter.

00:03:48: Einen vollen Auftragskalender und trotzdem... ich setze manchmal am Schreibtisch und starre an die Wand.

00:03:57: Pause!

00:03:59: Das ist doch nicht normal.

00:04:01: Das kenne ich von mir nicht.

00:04:06: Stefan hatte das Problem schon.

00:04:08: Er hatte nur bisher keinen Namen dafür gehabt Und kein Ort wo er es ablegen durfte Die Charme des starken Manners.

00:04:22: Es gibt eine besondere Form von Widerstand, die ich vor allem bei Männern mittleren Alltags erlebe.

00:04:28: Männer, die gelernt haben Probleme zu lösen.

00:04:32: Die funktionieren, liefern und entscheiden – die für andere da sind.

00:04:39: Für diese Männer ist das Eingestehen eines Leidensdrucks fast körperlich schmerzhaft.

00:04:46: Es widerspricht einem Selbstbild, dass über Jahrzehnte aufgebaut wurde.

00:04:51: Wer um Hilfe bietet, gibt zu dass er allein nicht weiterkommt, und das fühlt sich an wie Versagen.

00:05:03: Stärke bedeutet für viele Nicht-Hilfe annehmen zu können, sondern Hilfe nicht zu brauchen.

00:05:10: Doch daß es manchmal ein Irrweg der sehr früh beginnt!

00:05:16: Das ist kein Vorwurf, das ist ein Muster – Ein Lebensthema, eines das gelernt wurde und das sich verlernernd lässt... Die Spur zurück in die Kindheit.

00:05:35: In meiner Arbeit folge ich der Spur nicht nach vorne, zu Strategien, Lösungen und Techniken – Ich folge ihr nach hinten, dorthin wo das Muster entstanden ist.

00:05:49: Ich fragte Stefan, haben Sie Geschwister?

00:05:53: Ja zwei Brüder und eine Schwester!

00:05:56: Ich bin der älteste.

00:05:59: Ich sagte nichts, ließ den Satz stehen.

00:06:06: Stefan schaute mich an, dann sagte er etwas langsamer als zuvor.

00:06:11: Ich war immer derjenige, der den Überblick hatte, der auf die anderen geachtet hat.

00:06:16: – Wollten Sie das?

00:06:21: fragte ich.

00:06:23: Er überlegt.

00:06:23: – Ich glaube es wurde erwartet!

00:06:27: Mein Vater war oft unterwegs.

00:06:30: Fernfahrer meiner Mutter hatte mit vier Kindern alle Hände voll zu tun also habe ich funktioniert.

00:06:39: Das Wort werdelte er selbst.

00:06:41: Ich hätte es nicht besser treffen können!

00:06:47: Was die Ältesten lernen?

00:06:51: Erstgeborene mit mehreren jungen Geschwistern übernehmen früh Verantwortung, das ist kein Schicksal aber eine sehr häufige Konstellation und sie hinterlässt Spuren.

00:07:05: Der älteste lernt ich werde gebraucht wenn ich funktioniere Wenn ich stark bin, wenn nicht störe und selbst Bedürfnisse habe.

00:07:17: Die andere belasten könnten.

00:07:21: Er lernt auch Spiel ist für die anderen.

00:07:26: Ich bin schon zu alt dafür.

00:07:31: Stefan erzählte fast beiläufig dass er mit zehn Jahren seiner Schwester beim Lesen geholfen hatte Dass er mit zwölf seinen Brüdern beim Hausaufgaben machen geholften hatte Dass er mit vierzehn bereits Nebenjobs angenommen hatte, um zur Haushaltskasse beizutragen.

00:07:51: – Das war selbstverständlich, sagte er.

00:07:56: Ich habe das nie hinterfragt!

00:07:57: – Ich fragte und was haben Sie dabei für sich behalten?

00:08:03: – Stille.

00:08:07: Dann ein kurzes fast verlegenes Lachen.

00:08:11: Nicht viel.

00:08:12: – Parantifizierung wenn Kinder zu früh Erwachsene werden.

00:08:24: Parantifizierung beschreibt einen Prozess, bei dem ein Kind meist das Älteste unbewusst die Rolle eines Elternteils übernimmt.

00:08:33: Es kümmert sich um die Geschwister, schätzt die Mutter vor Überforderung, hält die Familie zusammen.

00:08:42: Das klingt nach Reife aber es kommt zu einem Preis.

00:08:49: Das Kind lernt die eigenen Bedürfnisse systematisch hinten anzustellen.

00:08:55: Es entwickelt ein Selbstbild, das untrennbar mit Leistung und Fürsorge verbunden ist.

00:09:03: Im erwachsenen Alter setzt sich dieses Muster fort oft ohne dass der Betreffende es bemerkt.

00:09:11: Er hilft, trägt, organisiert – und fragt sich irgendwann warum er so erschöpft ist obwohl da alles gut läuft?

00:09:25: Das Lebensthema Funktionieren um jeden Preis Was in der Kindheit eine sinnvolle Anpassung war, wird im Erwachsenenleben zur Falle.

00:09:38: Stefan hatte das Muster des Ältesten nie abgelegt – er hatte es nur in andere Kontexte verschoben, erst in die Ausbildung dann ins Studium und dann ins eigene Büro.

00:09:51: Überall war er derjenige, der die Verantwortung trug, der nicht klagte, der weitermachte auch wenn er längst am Limit war.

00:10:04: Sein Lebensthema laudete in drei Worten, funktionieren um jeden Preis.

00:10:14: Dieses Thema ist nicht laut – es schreit nicht, es erschöpft!

00:10:20: Es erschöpf, weil es keinen Raum lässt für das was ein Mensch neben dem Funktionieren noch braucht.

00:10:28: Leichtigkeit, Spontanität die Freiheit etwas zu tun dass keinem nützt außer einem selbst.

00:10:40: Wer gelernt hat, immer für andere da zu sein vergisst irgendwann wie es sich anfühlt einfach da zu seien.

00:10:50: Stefan hatte das vergessen seit Jahrzehnten der Moment der Zähl.

00:11:03: ich bat Stefan die Augen zu schließen und sich zu erinnern.

00:11:08: wann hatte er zuletzt etwas getan dass keinen Zweck hatte das einfach Freude gemacht hatte Ohne Ergebnis, ohne Leistung, ohne dass jemand davon profitierte.

00:11:24: Er schwieg lange dann zögerlich.

00:11:29: Als Kind habe ich gezeichnet Stunden lang irgendwelche Häuser Städte die ich mir ausgedacht habe.

00:11:41: Wann haben sie damit aufgehört?

00:11:43: Er überlegte Mit zwölf dreizehn da war keine Zeit mehr dafür.

00:11:51: Ich sagte und jetzt Entwerfen sie Häuser?

00:11:56: Als Beruf.

00:12:00: Stefan sah mich an, etwas in seinem Gesicht veränderte sich.

00:12:05: Nicht traumatisch!

00:12:06: Aber ich sah wie ein Gedanke ankam, den er sich selbst noch nicht gedacht hatte.

00:12:13: Ja, sagte er leise, aber das macht mir schon lange keine Freude mehr.

00:12:21: Das war der Moment, in dem die eigentliche Arbeit begann.

00:12:25: Nicht die Arbeit an Symptomen – Die Arbeit an der Wurzel.

00:12:35: Was Stefan am Ende sagte.

00:12:37: Am Ende unseres drei Stunden Coachings bat ich Stefan einen einzigen Satz zu formulieren, den Satz, den er sich selbst schon lange hätte sagen wollen.

00:12:51: Er dachte lange nach länger als ich erwartet hatte.

00:12:56: dann sehr leise Ich darf auch mal spielen.

00:13:06: Er war sichtlich überrascht von dem Satz.

00:13:09: sagte er habe ihn nicht geplant er sei einfach gekommen.

00:13:15: Ich fragte, wie alt ist er?

00:13:17: Stefan, der das sagte.

00:13:20: Er lachte zum ersten Mal in dieser Sitzung wirklich ohne Euronie.

00:13:25: Zwölf Der zwölfjährige, der aufgehört hatte zu zeichnen, der die Geschwister beaufsichtigt hatte.

00:13:39: Der gelernt hatte, daß seine Bedürfnisse warten konnten – immer!

00:13:45: Dieser Zwölffjähriger war in den letzten vierzig Jahren nicht verschwunden.

00:13:50: Er hatte nur nicht mehres Wort gehabt Das innere Kind, der Teil, der nie gehört wurde.

00:14:04: Der Begriff des inneren Kindes geprägt unter anderem durch John Bradshaw und später in der Chemotherapie weiterentwickelt beschreibt jene frühen emotionalen Erfahrungen die ein Mensch in sich trägt oft ohne es zu wissen.

00:14:21: Es sind die Bedürfnisse die damals nicht erfüllt wurden nach Unbeschwertheit, nach gesehen werden, nach dem Recht Einfach ein Kind sein zu dürfen.

00:14:35: Diese unerfüllten Bedürfnisse verschwinden nicht, sie wirken weiter als Antreiber, als Lehrer, Als diffuses Gefühl das etwas fehlt auch wenn äußerlich alles stimmt.

00:14:53: Wenn Stefan sagt Ich darf auch mal spielen spricht nicht der Zweiundfünfzigjährige Architekt.

00:15:00: Es spricht der Zwölffährige Der diesen Satz damals Nicht sagen würde.

00:15:08: Das ist keine Metapher, das ist ein psychologischer Vorgang und... ...ein erster Schritt zur Heilung.

00:15:20: Was dieser Satz bedeutet?

00:15:24: Ich darf auch mal spielen!

00:15:26: Ist kein netter Abschlusssatz.

00:15:28: Es ist eine Erschütterung des Lebensthema Die fehlende Erfahrung in Stefans Leben.

00:15:38: Wer Jahrzehnte lang gelernt hat dass er nur dann wertvoll ist wenn er funktioniert Für den ist dieser Satz fast revolutionär.

00:15:48: Er sagt, ich bin nicht nur Mittel zum Zweck – Ich bin auch Zweck!

00:15:57: Spielen heißt nicht die Verantwortung abzugeben.

00:16:01: Es heisst sich selbst wieder als Teil des Lebens zu begreifen.

00:16:06: Nicht nur als Verwalter des Lebens anderer.

00:16:13: Stefan kam wegen schlechtem Schlaf und einem Gefühl der Sinnlosigkeit.

00:16:20: Er kam, weil seine Frau ihn schickte und er dachte, er brauche keine Hilfe.

00:16:27: Er fand etwas anderes den Jungen der er einmal war Und eine Ahnung davon wer er noch sein könnte.

00:16:43: Haben sie auch ein Problem das Sie bisher nicht lösen konnten?

00:16:47: Dann buchen sie auch einen drei Stunden Coaching.

00:16:49: Wir finden die Lösung dort wo sie noch nie gesucht haben.

00:16:57: Sind Sie Coach oder arbeiten sie intensiv mit Menschen und wollen lernen, auch so zu coachen?

00:17:02: Ich biete eine Fortbildung an.

00:17:06: Eine Information dazu hier auf dem Blog Wann und wie oft können Sie zweckfrei spielen?

00:17:19: Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

00:17:22: Bis zum nächsten Mal.

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