Prokrastination: „Seit 20 Jahren warte ich auf den richtigen Moment“.
Shownotes
Prokrastination gilt als Disziplinproblem. Als etwas, das man mit der richtigen Methode in den Griff bekommt.
Das stimmt manchmal. Aber nicht immer.
In dieser Episode hören Sie von Andrea, 51, Leiterin einer Personalabteilung. Sie wollte seit zwanzig Jahren töpfern. Immer gab es einen Grund zu warten. Erst die Kinder, dann der Job, dann der Satz: „Es muss erst Sinn ergeben."
Was wir in unserem Gespräch herausfanden: Ihr Problem war kein Zeitproblem. Es war die Angst, anzufangen – und dann festzustellen, dass es nichts wird. Solange sie nicht beginnt, bleibt der Traum möglich. Sicher. Unberührt.
In dieser Episode geht es um:
- Warum Aufschub eine Schutzstrategie ist, keine Schwäche
- Aufzählungs-TextWarum Zeitmanagement-Methoden oft nicht helfen
- Warum viele Frauen ihre eigenen Wünsche systematisch nach hinten stellen
- Den Moment, in dem sich etwas öffnete – und was eine schiefe Schale damit zu tun hat
Die ganze Folge können Sie hier nachlesen …
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Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen zu einem weiteren Podcast.
00:00:03: Mein Name ist Roland Kopwigmann, ich bin Diplompsychologe und Online-Coach mit über vierzig Jahren Erfahrung.
00:00:11: Das Thema heute?
00:00:13: Seit zwanzig Jahren warte ich auf den richtigen Moment, sagte die Frau im Coaching über das Lebensthema Aufschieben und was wirklich dahinter steckt.
00:00:29: Sie sagt es fast zwei beiläufig, irgendwo zwischen dem zweiten Glas Wasser und dem ersten wichtigen Satz in unserem drei-Stunden-Coaching.
00:00:39: Als wäre es eine Kleinigkeit – eine Randnotiz!
00:00:44: Ich wollte eigentlich immer töpfern.
00:00:47: Richtig lernen, meine ich, einen Kurs machen ein Atelier finden ernsthaft damit anfangen.
00:00:54: Ich habe sogar schon nachgeschaut wo man das in der Nähe machen kann.
00:00:58: aber dann kommt immer etwas dazwischen Die Kinder früher, jetzt der Job und irgendwie muss es ja auch erst mal Sinn ergeben.
00:01:11: Sie lachte kurz das verlegene Lachen von jemandem die sich selbst beim Ausweichen ertappt.
00:01:20: Andrea, einen Fünfzig Jahre Leiterin einer Personalabteilung, verheiratet zwei Kinder inzwischen aus dem Haus.
00:01:30: sie kamen nicht wegen des Töpfans.
00:01:33: Sie kam, weil sie seit Monaten morgens aufwachte und das Gefühl hatte ihr Leben ziehe an ihr vorbei.
00:01:41: Kein Burnout!
00:01:43: Kein konkreter Anlass!
00:01:46: Nur dieses leise anhaltende Unbehagen, dass dann noch etwas wäre.
00:01:53: Etwas daß auf sie wartet.
00:01:57: Das Töpfern erwähnte sie wie nebenbei.
00:02:01: Ihr ließ es stehen.
00:02:05: Später im Gespräch fragte ich Seit wann wollen sie das mit dem Töpfer lernen?
00:02:12: Sie überlegte, seit ich dreißig bin vielleicht länger.
00:02:19: Zwanzig Jahre Der richtige Moment hatte sich in zwanzig Jahren nicht ergeben wenn der richtigen Moment nie kommt.
00:02:33: Aufschieberitis oder Prokrastination gilt als persönliche Schwäche Als Disziplinmangel Als Zeitproblem, als etwas, da man mit der richtigen App oder der richtlichen Methode in den Griff bekommt.
00:02:50: Die Ratgeberindustrie verdient gut daran.
00:02:54: Pomodore-Technik zwei Minuten regel – die eisende Disziplin des rühen Aufstehens Bei Andrea hatte nichts davon geholfen.
00:03:06: Sie hatte es versucht.
00:03:10: Wer das was ihm wirklich wichtig ist immer wieder aufschiebt folgt keiner Schwäche.
00:03:16: Erfolgt eine inneren Logik und diese Logik hat eine Geschichte.
00:03:24: Der amerikanische Psychologe Timothy Pichell, hat jahrelang untersucht warum Menschen aufschieben was ihnen am Herzen liegt.
00:03:34: Sein Befund ist klar.
00:03:37: Prokrastination ist kein Zeitproblem Es ist ein Emotionsregulationsproblem.
00:03:48: Wir schieben auf, um unangenehmen Gefühlen auszuweichen.
00:03:53: Der Aufschub ist nicht die Ursache des Problems – er ist die Lösung für ein tiefer liegendes.
00:04:02: Die Frage lautet also nicht wie kriege ich mich endlich dazu?
00:04:07: sondern wovor schützt mich das Warten?
00:04:17: Die Frage, die Andrea zum Schweigen brachte.
00:04:21: Ich fragte Andrea Was würde passieren, wenn Sie morgen früh anfangen würden?
00:04:27: Einen Kurs buchen.
00:04:28: Hingehen!
00:04:30: Die Hände in den Ton drücken.
00:04:34: Sie schwieg länger als erwartet.
00:04:36: Dann langsam... Ich glaube ich hätte Angst, dass es nichts wird.
00:04:43: Dass ich zu alt dafür bin, das die anderen alle besser sind.
00:04:52: Ich nickte und ließ Raum Und wenn die andern besser sind Wieder eine Pause, diesmal länger.
00:05:07: Dann wird deutlich, dass ich es nie wirklich gekonnt hätte.
00:05:13: So lange ich es nicht versuche kann ich noch glauben das ich es könnte.
00:05:19: Wenn ich es versuche und es wirkt nichts dann ist da nichts mehr.
00:05:29: Das war der Satz auf den alles ankam Nicht er mit empfehlenden Zeitpunkt.
00:05:35: dieser hier Der Aufschub war kein Versagen Er war eine Schutzstrategie und eine sehr wirksame obendrein.
00:05:47: Wer nicht beginnt, kann nicht scheitern!
00:05:52: Wer den Wunsch in der Zukunft hält, muss nicht mit dem Ergebnis konfrontiert werden.
00:05:59: Die Möglichkeit bleibt lebendig.
00:06:03: Der Traum bleibt unberührt – was früh gelernt wurde.
00:06:13: Andrea erzählte zunächst Zögern von ihrer Mutter Eine Frau, die selbst viel gekonnt aber wenig davon gelebt hatte.
00:06:22: Die Nähte malte, sang im Chor Alles nebenbei alles zwischen den Pflichten.
00:06:30: Die öfters sagte Das mach ich wenn die Kinder größer sind und es dann nicht machte.
00:06:40: Und die zu Andrea Wenn sie etwas ausprobieren wollte oft sagte Watt lieber bist du es richtig kannst.
00:06:49: Halbherziges bringt nichts.
00:06:54: Kein böser Satz, ein gut gemeinter sogar!
00:06:59: Aber Andrea hatte daraus eine Schlussfolgerung gezogen die sie selbst nicht kannte Zeige Nichts das noch nicht fertig und sicher Gut ist Denn was nicht überzeugt zählt nicht.
00:07:18: Hinzu kam noch etwas dass bei Frauen ihrer Generation.
00:07:21: Besonders häufig ist Die Botschaft dass die eigenen Wünsche warten können.
00:07:30: Erst die Familie, erst der Job, erst die anderen.
00:07:35: Was für mich selbst ist?
00:07:38: Hat Zeit!
00:07:41: Das war kein explizit ausgesprochenes Gebot aber es lag in der Luft – in den Vorbildern, in den kleinen Entscheidungen, die sie über Jahrzehnte beobachtet hatte.
00:07:56: Das Lebensthema das sich daraus formierte Lies sich in wenigen Warten sagen.
00:08:02: Ich genüge nie, und darunter noch leise.
00:08:08: Meine Wünsche dürfen warten!
00:08:14: Der Aufschub war sein treuester Ausdruck.
00:08:18: Wer nicht zeigt hört keine Kritik, wer nicht beginnt wird nicht gemessen.
00:08:25: Und wer die eigenen Wünsche immer nach hinten stellt muss ich nie fragen ob sie auch wirklich erfüllt werden.
00:08:37: Das Lebensthema aufschieben und seine Geschwister.
00:08:44: Das Lebensthema Aufschub trifft selten allein auf.
00:08:48: Es hat Geschwester, da ist der Perfektionismus, der dafür sorgt, dass der Anfang nie gut genug ist um ein Anfallen zu sein.
00:08:59: Da ist er selbst Zweifel, der schon vor dem ersten Versuch einflüstert Wer bist du das du jetzt noch anzufangen?
00:09:10: Und da is die Angst vor dem Urteil Nicht immer das Urteil anderer, häufig das eigene.
00:09:21: Die Transaktionssalöse kennt den inneren Antreiber sei perfekt – eine verinnerlichte Botschaft aus der Kindheit die später als innere Stimme mitläuft.
00:09:36: Menschen mit diesem Antreiber können oft erst beginnen wenn sie sicher sind dass das Ergebnis gut wird.
00:09:44: Da diese Sicherheit nie da ist.
00:09:46: bevor man angefangen hat beginnt man nie.
00:09:51: Ein Kreislauf, der sich selbst schützt.
00:09:57: Bei Frauen kommt oft noch ein zweiter Antreiber hinzu, den die Transaktionsanalyse Mach es allen recht nennt – die Neigung, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, solange andere noch etwas brauchen könnten.
00:10:15: Dieser Antreber machte den Aufschrieb besonders hartnäckig, denn er trägt immer einen trifftigen Grund mit Es gibt immer jemanden, dessen Bedürfnisse zuerst kommen.
00:10:31: Andrea kannte beide Kreisläufe – sie hatte sie nur nie so genannt.
00:10:42: Der Moment der etwas öffnete.
00:10:47: Ich fragte Andrea ob Sie sich an einen Moment erinnere in dem sie einfach etwas gemacht hatte ohne Ziel, ohne Publikum, ohne dass es gut werden musste.
00:11:01: Sie dachte länger nach Dann sehr leise.
00:11:04: — Früher, mit meiner Tochter!
00:11:08: Wir haben manchmal zusammen Figuren aus Knete gemacht.
00:11:12: Einfach so.
00:11:14: Ich habe gar nicht gemerkt wie die Zeit vergingen.
00:11:19: Wie war das für sie?
00:11:22: Sie hielt Anne.
00:11:23: — Schön!
00:11:25: Richtig schön… Aber – Das war ja für sie.
00:11:32: Ich fragte … War es wirklich nur für ihre Tochter?
00:11:38: Stille.
00:11:39: Dann ein langsames Schütteln des Kopfes.
00:11:42: – Nein, es war auch für mich.
00:11:47: Vielleicht sogar mehr für mich!
00:11:50: Ich habe das nur noch nie so gedacht.
00:11:56: Da war es.
00:11:58: Der Moment mit der Knete und der Tochter war kein Zufall.
00:12:04: Er war ein seltener Augenblick in dem Andrea erlaubt hatte, dass etwas für sie selbst zählt.
00:12:10: Weil es nach außen hin für jemand anderem war, fühlte es sich erlaubт an….
00:12:19: Das Töpfern hat diesen Deckmantel nicht.
00:12:23: Es wäre einfach für sie und genau das macht es so schwer, was das Aufschieben schützt – und was es kostet!
00:12:40: Es wäre einfacher den Aufschub zu verurteilen, das Warten als selbstbetrugt zu bezeichnen als verschwendetes Leben aber das wäre zu kurz gedacht.
00:12:55: Das Aufschieben ist eine Antwort auf eine reale Gefährdung.
00:13:02: Es hält etwas Kostbares am Leben, die Möglichkeit.
00:13:08: Solange Andrea nicht töpfert, isst sie noch jemand, der töpfern könnte?
00:13:15: Das ist Nicht nichts!
00:13:18: Das ist in einer verdrehten Logik ein Form von Selbstschutz.
00:13:26: Aber der Preis ist hoch – das Aufschiben kostet die Erfahrung Es kostet den Weg, es kostet die Stunden in denen man eintaucht und nicht merkt wie die Zeit vergeht.
00:13:43: Es koste die Freude, die nur im Tun entsteht, niemals im Warten darauf.
00:13:50: Und irgendwann beginnt es noch etwas anderes zu kosten – das Vertrauen in sich selbst.
00:13:59: Jedes Jahr ohne Anfang ist ein kleiner stiller Beweis, dass man es wohl doch nicht ernst meint….
00:14:08: dass man wohl doch nicht die Frau ist, die man sein wollte.
00:14:15: Andrea war einen Fünfzig.
00:14:18: Sie hatte diesen Beweis zwanzigmal gesammelt.
00:14:27: Was hat das mit Ihnen zu tun?
00:14:30: Vielleicht nichts!
00:14:31: Vielleicht möchten sie nicht töpfeln oder wollten nie schreiben.
00:14:35: Vielleicht ist hier aufschieben wirklich nur eine Frage der Organisation.
00:14:41: Aber wenn sie beim Lesen oder Anhören an etwas gedacht haben Dass Sie schon lange vor sich her schieben?
00:14:48: Nicht die Steuererklärung, sondern etwas, das Ihnen wirklich am Herzen legt.
00:14:53: Dann lohnt es sich ein Moment innezuhalten.
00:14:59: Fragen sie sich – Was genau?
00:15:01: – Schieben Sie auf!
00:15:04: Nicht die Aufgabe, die dahinter liegende Hoffnung.
00:15:10: Was ist das wirklich wenn Sie ehrlich hinschauen?
00:15:16: und dann was befürchten Sie, wenn Sie anfangen?
00:15:22: Nicht, was schiefgehen könnte am Ergebnis.
00:15:25: Sondern, was Sie sie über sich selbst wissen würden, wenn es nicht gut wird!
00:15:35: Und schließlich erlauben Sie sich diesen Wunsch eigentlich?
00:15:41: Nicht als Belohnung – nicht, wenn alles andere erledigt ist.
00:15:46: Einfach so, weil der Wunsch Ihnen
00:15:49: gehört.".
00:15:54: Andrea meldete sich drei Monate später.
00:15:59: Nicht für eine Sitzung.
00:16:00: Sie wollte mir nur sagen, daß sie den Töpferkurs gebucht hatte.
00:16:06: Einsamster Vormittag fünf Wochen lang eine Gruppe von acht Leuten – alles Anfänger.
00:16:15: Die erste Schale ist ziemlich schief geworden, schrieb sie.
00:16:20: Ich habe sie trotzdem behalten.
00:16:25: Das war genug.
00:16:27: Mehr als genug.
00:16:35: Namen und Details wurden zum Schutz der Privatsphäre verändert.
00:16:39: Falls es sich in diesem Muster wiederfinden.
00:16:42: Ein einziges Coaching kann öffnen, was Jahre der Reflexion nicht erreicht haben.
00:16:53: Auf meinem Blog finden Sie noch mehr Fallgeschichten.
00:17:03: Wenn sie auch so coaching wollen ich biete eine Fortbildung an.
00:17:09: Alle Informationen finden Sie auf dem Blog.
00:17:15: Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
00:17:18: bis zum nächsten Mal.
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